Geht von den Waldbränden in Russland eine "atomare Gefahr" für Deutschland aus?
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Hinzu kommt, dass in natürlichen Ökosystemen wie Wald- oder auch Torfgebieten radioaktive Partikel wie Cäsium 137 nur sehr langsam in tiefere Schichten abwandern. Bei Bränden werden Boden- und Pflanzenpartikel und damit auch die daran gebundene Radioaktivität in die Atmosphäre freigesetzt (Resuspension). In der unmittelbaren Umgebung von Tschernobyl sind auch Bäume noch stark mit Cäsium belastet. Bei Bränden kann dieses ebenfalls freigesetzt werden.
Radiologische Auswirkungen – regional und überregional
Brände in der Region Tschernobyl können radiologische Auswirkungen auf die unmittelbare Region haben, wenn Menschen die in der Luft befindlichen radioaktiven Partikel einatmen. Die Höhe einer daraus resultierenden Strahlenbelastung hängt vom Brandgeschehen und vom individuellen Verhalten dieser Personen ab und ist nicht generalisierbar.
Die Brände haben allerdings keine radiologische Bedeutung für das restliche Europa und Deutschland, da die Verbreitung der radioaktiven Stoffe vor allem regional begrenzt ist. Das ist auch von früheren Bränden bekannt, die es in der Region bereits gab. In einem Fall wurden dabei Spuren radioaktiver Stoffe nach Deutschland transportiert, deren Konzentration aus Sicht des Strahlenschutzes aber unbedenklich war.
Radiologische Schutzmaßnahmen in Deutschland sind nicht notwendig.
Atmosphärische Aktivitätskonzentration wird überwacht
Die so genannte Verfrachtung von Radioaktivität durch die Atmosphäre ist stark abhängig von der Wetterlage (insbesondere Windrichtung und Windgeschwindigkeit). Eine Wolke aus der Gegend von Tschernobyl kann bei direkter Ausbreitung in etwa 1-2 Tagen Mitteleuropa erreichen. So kam es in der Vergangenheit vor, dass geringe, aus Sicht des Strahlenschutzes unbedenkliche Spuren an Radioaktivität (im Bereich einiger Mikro-Becquerel Cäsium-137 pro Kubikmeter Luft) bei einem Brand in kontaminierten Gebieten Russlands an der Messstelle des Bundesamtes für Strahlenschutz auf dem Schauinsland bei Freiburg gemessen wurden.
Im Vergleich dazu betrug die atmosphärische Aktivitätskonzentration von Cäsium-137 nach dem Reaktorunfall in Tschernobyl in Deutschland im Mittel einige Becquerel pro Kubikmeter und lag damit um viele Größenordnungen höher.
Bundesweites Messnetz des Bundesamtes für Strahlenschutz
Zur kontinuierlichen Überwachung der Radioaktivität unterhält das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) ein bundesweites Messnetz zur Messung der so genannten Ortsdosisleistung. Weiterhin betreibt es an einer Station auf dem Schauinsland und an seinem Standort in Freiburg hochempfindliche Messinstrumente, die schon geringste Spuren an Radioaktivität in der Luft nachweisen. Darüber hinaus steht das BfS in Verbindung mit anderen nationalen und internationalen Organisationen, mit denen Daten und Informationen ausgetauscht werden.
Mit Hilfe von atmosphärischen Ausbreitungsmodellen kann aufgrund der aktuellen Wetterlage auch die Ausbreitung möglicherweise radioaktiv kontaminierter Luftmassen für die kommenden Tage prognostiziert werden. Das BfS überwacht die Messgeräte und die aus den Messnetzen kommenden Daten und Informationen rund um die Uhr an 7 Tagen in der Woche. Damit ist das BfS jederzeit in der Lage, Änderungen der Radioaktivität in der Atmosphäre zu erkennen, darauf zu reagieren, diese zu bewerten und bei Bedarf Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung in die Wege zu leiten. Sollte also aufgrund von Waldbränden eine erhöhte Radioaktivität in Deutschland eintreten, werden die Messungen des BfS dies frühzeitig feststellen.
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